Die Hochwasserlage in Süddeutschland – an der Grenze zu Österreich – spitzt sich immer weiter zu! In vielen Gemeinden wird ein Jahrhunderthochwasser befürchtet. Straßen stehen unter Wasser, Dammbereiche werden überflutet, Autobahnen wurden teilweise gesperrt. Erste Bewohner wurden bereits mit Booten und Hubschraubern gerettet.
Das Tief Quirina bringt Unmengen an Regen vom Mittelmeer nach Deutschland. Vor allem vom Bodensee über Bayern an die Ränder von Thüringen und Sachsen wird laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in den nächsten Stunden die Regenmenge eines ganzen Monats fallen – bis zu 150 Liter pro Quadratmeter!Ab wann spricht man von einem Jahrhunderthochwasser?Befürchtet wird mancherorts Jahrhunderthochwasser. Das ist eine rechnerische Größe und bezeichnet ein Hochwasser, das im statistischen Mittel einmal in hundert Jahren erreicht oder überschritten wird. Viele Unwetterwarnungen gelten mit Stand Samstagmittag zunächst bis Sonntag, einige bis in den Montag hinein.Katastrophenfall in mehreren Landkreisen ausgerufenVor allem für Teile Bayerns warnt der DWD für den Samstag vor Unwettern. Für das westliche Schwaben, das Oberallgäu und Oberbayern gelte die höchste Warnstufe 4. Die Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg und Günzburg riefen den Katastrophenfall aus. Es sei damit zu rechnen, dass die Pegelstände weiter stark ansteigen, teilte das Landratsamt in Augsburg mit.Menschen mit Booten und Hubschraubern gerettet Im Landkreis Augsburg hat es Fischach besonders stark getroffen. Hier steht das ganze Dorf komplett unter Wasser und gleicht einem reißenden Fluss. Einige Bewohner mussten mit einem Rettungshubschrauber aus dem Flutgebiet gerettet werden. Neben Bayern ist auch das Nachbarbundesland Baden-Württemberg stark betroffen. Menschen wurden hier in Sicherheit gebracht – teils mit Booten. Bürger sollen Häuser freiwillig verlassenIm schwäbischen Landkreis Unterallgäu wurden rund 150 Menschen aufgerufen, freiwillig ihre Häuser zu verlassen. Allein in der Ortschaft Babenhausen seien rund 100 Menschen betroffen, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes. Bereits am Freitagabend wurde rund 1300 Menschen in Meckenbeuren (Bodenseekreis in Baden-Württemberg) geraten, ihr Zuhause zu verlassen.Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und sein Innenminister Joachim Herrmann wollten noch am Samstag in das schwäbische Hochwassergebiet reisen. Verletzte bei AutounfällenIn Bayern gab es auch bereits zahlreiche Polizeieinsätze. Bei Autounfällen infolge des Regens wurden auf der Autobahn 9 am Freitag nach Polizeiangaben mehrere Menschen verletzt. Immer wieder wurden Keller und Straßen überflutet. Einsatzkräfte und Anrainer von Flüssen mit steigenden Pegeln wappneten sich mit Sandsäcken.10.000 Sandsäcke aufgestelltIm baden-württenbergischen Friedrichhafen am Bodensee wurde laut Feuerwehr ein zentrales Sandsack-Lager in Auftrag gegeben. Rund 10.000 Sandsäcke sollen demnach aus einem Nachbarkreis dorthin gebracht werden. Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz halfen.Auch am Sonntag keine EntspannungLaut DWD könnte es am Sonntag im Bereich zwischen Main und Donau ausgreifend auf den Münchner Raum ab den Mittagsstunden Gewitter und Starkregen geben – mit örtlich bis zu 40 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit.Einsätze auch in der SchweizAuch in der Schweiz führten starke Niederschläge zu zahlreichen Überschwemmungen, Erdrutschen und überfluteten Kellern. Die Hochwasserlage war angespannt. Die Zürcher Feuerwehren mussten bis Samstagfrüh 200 Mal wegen Wasser in Gebäuden oder überfluteten Straßen ausrücken. Im Kanton Thurgau registrierte die Polizei vorerst mehr als 100 Schadensmeldungen. Im Kanton St. Gallen koordinierte die Notrufzentrale rund 90 Feuerwehreinsätze. Auch im Kanton Zug standen mehrere Keller unter Wasser.