Am Rande der Olympischen Spiele in Paris sorgen Manipulations-Vorwürfe rund ums Säbelfechten für jede Menge Unruhe. Droht der Sportart nun sogar das Olympia-Aus?
Ein Bericht der „ARD-Sportschau“ schlug ein wie eine Bombe. In dem Beitrag des Journalisten Hajo Seppelt schildert Marcus Schulz, ein ehemaliger Referee auf höchster Ebene, wie versucht wird, im Fechtsport zu manipulieren.Einst wurde er von einem Trainer kontaktiert, es kam zum Treffen in seinem Hotelzimmer. „Er sagte: ‘Marcus, wärst du bereit, einen gewissen Vorteil anzunehmen?‘ Ich sagte: ‘Wofür?‘“ Dann wurden Schulz plötzlich Summen genannt. „Für den und den Fechter würden wir dir 5000 Euro bieten“, so der Trainer. Sofort habe Schulz abgelehnt, worauf der Coach konterte: „Versuchst du jetzt, ein guter Junge zu sein? So wirst du es nie nach oben schaffen.“Laut Schulz sei „das ganze System drauf ausgelegt, bei Olympia zu betrügen. Olympia ist die einzige Veranstaltung im Fechten, die weltweite Aufmerksamkeit findet. Darauf läuft alles zu. Deshalb wird bereits im Unterbau so viel wie möglich manipuliert.“ Im Bericht wird Alischer Usmanow erwähnt, er soll ein Drahtzieher im Fecht-Skandal sein. Der Russe war lange Jahre Präsident des Fecht-Weltverbandes.Kompliziertes RegelwerkAuch der ehemalige Kampfrichter Joachim Wargalla beklagt in dem Bericht, dass das Regelwerk beim Fechten so kompliziert sei, „dass es extrem interpretierbar ist. Es ist damit auch manipulierbar für den Kampfrichter. Ich kann heute in etwa 50 Prozent der Fälle, in denen beide Fechter aufeinander zustürmen und sich treffen, nicht entschieden.“Seine Forderung: „Solange das Säbelfechten in der Form manipulierbar ist, sollte es nicht im olympischen Programm weitergeführt werden!“ Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering. Denn IOC-Boss Thomas ist ein Fan der Sportart, als Fechter wurde er zudem 1976 Olympiasieger mit der Mannschaft.