Im Zuge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben einander beide Seiten in der Nacht auf Freitag gegenseitige Angriffe vorgeworfen. Dabei soll es ukrainischen Truppen gelungen sein, weit hinter den feindlichen Linien für massive Explosionen zu sorgen.
In der ostukrainischen Region Donezk seien bei russischem Artilleriebeschuss am Donnerstag vier Menschen getötet und elf verletzt worden, sagte ein Regionalgouverneur. Die russischen Behörden meldeten einen heftigen ukrainischen Drohnenangriff auf die rund 200 Kilometer von der Grenze entfernte Region Lipezk im Südwesten Russlands.Der Gouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, erklärte, zwei Menschen seien in einem Wohnviertel der Stadt Kostjantyniwka westlich von Bachmut getötet worden, zwei weitere Bewohner etwas südwestlich in Selidowe. Die von der Ukraine kontrollierten Teile der Region stehen regelmäßig unter russischem Beschuss.Insgesamt wurden zwanzig mehrstöckige Wohnhäuser und sechs Verwaltungsgebäude beschädigt, so Filaschkin.Massive Explosionen in LipezkNach einem ukrainischen Drohnenangriff auf einen Militärflugplatz bei Lipezk kam es unterdessen zu massiven Explosionen. Um die Stadt sei zur Beseitigung der Folgen der Explosionen der Notstand erklärt worden, teilte Gouverneur Igor Artamonow bei Telegram mit. Zuvor behauptete er, Aufrufe in Onlinenetzwerken zum Verlassen von Lipezk zu ignorieren. Diese seien „vom Feind“ verbreitet worden, „um Panik zu säen“.Videos sollen die Detonationen zeigen:Vier Dörfer um den Militärflughafen wurden evakuiert. Laut den Nachrichtenagenturen Tass und Ria Nowosti brach auf dem Militärflughafen ein Feuer aus. Vorläufigen Angaben zufolge seien sechs Menschen bei dem Angriff verletzt worden, erklärte Artamonow weiter.In Lipezk und Umland wurde der öffentliche Nahverkehr gestoppt. Es kam wegen Schäden an einer Energieanlage zu Stromausfällen. Infolge der Angriffe seien sechs Menschen verletzt worden. Der Militärflughafen liegt gut 280 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.Fluchtbewegungen in Region KurskLuftalarm wurde ebenfalls in den benachbarten Gebieten Kursk, Brjansk, Belgorod und Woronesch ausgelöst. Über 70 Drohnen seien abgefangen worden, teilten die Behörden mit. Über Kursk seien zudem weitere vier Raketen abschossen worden. In dem Gebiet an der Grenze zur Ukraine finden Kämpfe zwischen ukrainischen und russischen Truppen statt. Ukrainische Truppen sollen seit einem Angriff vom Dienstag mehrere russische grenznahe Ortschaften kontrollieren.In der Region hat offenbar eine große Fluchtbewegung eingesetzt:Auch auf der annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim wurden ukrainische Angriffe verzeichnet. Drei ukrainische Drohnen und eine Rakete des Typs „Neptun“ seien über dem Meer vor der Hafenstadt Sewastopol abgeschossen worden, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur der Großstadt, Michail Raswoschajew, mit. Zudem seien auch drei Seedrohnen zerstört worden. Über Schäden wurde vorerst nichts bekannt.Bei ihrem Abwehrkampf gegen eine russische Invasion greift die Ukraine immer wieder auch Ziele im russischen Hinterland an.Ukrainische Offensive zeigt WirkungDie Stadt Lipezk liegt rund 330 Kilometer entfernt von der ukrainischen Grenze zur russischen Region Kursk. Pro-ukrainische Kräfte führen dort nach Angaben der russischen Armee seit mehreren Tagen eine Offensive mit rund 1000 Soldaten und mehr als zwei Dutzend gepanzerten Fahrzeugen und Panzern aus.Heftige Explosionen und Brände soll es in der Nacht auch in der russischen Ortschaft Rylsk im Raum Kursk gegeben haben, wie das ukrainische Nachrichtenportal „Kyiv Independent“ unter Berufung auf Russland-freundliche Telegram-Kanäle berichtete. Die Ursache der Explosionen sei noch unklar.Die Angaben der russischen beziehungsweise ukrainischen Behörden ließen sich nicht unabhängig bestätigen.