Die türkische Frauenrechtlerin Berrin Sönmez hat auf provokante Weise ihr Kopftuch abgelegt und damit ein starkes Zeichen des Protests gesetzt. Mit der Erklärung: „Ich werfe das Kopftuch der Regierung und dem Religionsamt vor die Füße“ hat sie ihre jahrzehntelange Praxis, als gläubige Muslimin ein Kopftuch zu tragen, beendet. Ihr Entschluss, das Kopftuch abzulegen, ist eine Reaktion auf eine umstrittene Freitagspredigt der türkischen Religionsbehörde Diyanet, die Anfang August 2023 gehalten wurde.
Die Diyanet ist in der Türkei für die religiöse Aufklärung und die Leitung der moslemischen Gemeinde zuständig. Die Predigt, die von der Behörde veröffentlicht wurde, sorgte für Kontroversen, da sie als diskriminierend und rückschrittlich wahrgenommen wurde. Viele Feministinnen und Frauenrechtlerinnen äußerten sich kritisch zu der Rede, die in ihren Augen die Rechte und Freiheiten von Frauen untergräbt. Sönmez, die 64 Jahre alt ist, fühlte sich durch diese Predigt besonders angesprochen und beschloss, mit ihrem symbolischen Akt ein Zeichen gegen die erdrückenden Regeln und den Einfluss der Religionsbehörde auf das Leben von Frauen zu setzen.
Ihr Ablegen des Kopftuchs ist zudem nicht nur ein persönlicher Protest, sondern spiegelt auch den allgemeinen Unmut vieler Frauen in der Türkei wider. Diese fühlen sich oft unter Druck gesetzt, sich in einer Weise zu kleiden, die den traditionellen Vorstellungen von Religion und Anstand entspricht. Sönmez hat in der Vergangenheit bereits für die Rechte von Frauen gekämpft und gelehrte Stereotypen in Frage gestellt. Der Schritt, das Kopftuch abzulegen, bedeutet für sie einen Akt der Befreiung und des Widerstands gegen Männlichkeitsnormen, die Frauen in ihrer Selbstbestimmung einschränken.
Die Auswirkungen dieser Handlung könnten weiterreichend sein. In der türkischen Gesellschaft, die immer noch stark von patriarchalen Strukturen geprägt ist, könnte Sönmez' Akt andere Frauen ermutigen, ebenfalls ihre Stimmen zu erheben und sich gegen Unterdrückung zu wehren. Viele Frauen leiden unter dem Druck, sich an gesellschaftliche Standards anpassen zu müssen, und die Diskussion um das Kopftuch ist nur ein Teil eines viel umfangreicheren Problems, das die Gleichstellung der Geschlechter betrifft. In diesem Sinne ist das Ablegen des Kopftuchs von Berrin Sönmez ein starkes Zeichen dafür, dass viele Frauen in der Türkei bereit sind, für ihre Rechte und Freiheiten zu kämpfen.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Protest von Berrin Sönmez nicht nur ein persönlicher Akt ist, sondern gleichzeitig eine Aufforderung an die Gesellschaft, über die Rolle von Religion und Tradition in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter nachzudenken. Ihr Schritt ist ein wichtiger Beitrag zur internationalen Frauenbewegung und könnte als Inspiration für andere Frauen weltweit dienen, sich gegen Ungerechtigkeiten zu erheben und für ihre Rechte zu kämpfen.