Sparkassen-Bereichsleiterin Janine Kohl-Peterke hat in ihren Beratungsgesprächen beobachtet, dass immer mehr Familien ihre finanziellen Angelegenheiten ungleich aufteilen. Dieser Trend ist insbesondere durch die sozialen Medien verstärkt worden, die eine Rückbesinnung auf traditionelle Rollenmodelle propagieren, wie sie in den 1950er-Jahren üblich waren. In diesen Gesprächen äußern viele Mütter und Hausfrauen den Wunsch, wieder in die Rolle der Hausfrau und des Familienversorgers zurückzukehren.
Die Auswirkungen dieser Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen sind in der Finanzplanung der Familien deutlich spürbar. Oft übernehmen Mütter wieder klassische Aufgaben, was dazu führt, dass sie sich weniger mit den finanziellen Belangen ihrer Familien beschäftigen. Janine Kohl-Peterke berichtet, dass dies dazu führt, dass Väter oft die volle Verantwortung für die Finanzplanung übernehmen, während Mütter möglicherweise nur ein begrenztes Wissen über die Haushaltsfinanzen haben.
In den Gesprächen wird auch deutlich, dass diese neu aufgelebte Rollenzuteilung oft mit einer Aufteilung der Gelder einhergeht, die nicht immer fair oder gleichberechtigt ist. Männer neigen dazu, eine dominantere Rolle in finanztechnischen Entscheidungen einzunehmen, was für Frauen zusätzliche Unsicherheit schaffen kann. Diese Situation führt nicht nur zu einem Ungleichgewicht in der Entscheidungsfindung, sondern kann auch langfristig negative Effekte auf die finanzielle Bildung und Unabhängigkeit von Frauen haben.
Janine Kohl-Peterke betont die Wichtigkeit, dass beide Partner in einer Beziehung finanziell versiert sind und sich aktiv in die Finanzplanung einbringen. Nur so können Strategien entwickelt werden, die für beide Seiten von Vorteil sind. In Zeiten von Inflation und unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es besonders wichtig, dass Familien gemeinsam an einem Strang ziehen, um ihre Finanzen im Griff zu haben.
Ein weiterer Aspekt, den Kohl-Peterke anspricht, betrifft die Erziehung der Kinder. Die Finanzkompetenz der Eltern beeinflusst maßgeblich die spätere Einstellung ihrer Kinder zu Geld. Wenn Kinder sehen, dass nur einer der Eltern die finanziellen Angelegenheiten regelt, kann dies ihre Perspektive und ihr Verhalten hinsichtlich Geld und Finanzen prägen. Daher ist es entscheidend, dass beide Eltern eine aktive Rolle übernehmen und Finanzwissen weitergeben, um die nächste Generation auf eine solide finanzielle Zukunft vorzubereiten.
Zusammenfassend zeigt Janine Kohl-Peterke auf, dass die Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen, die durch soziale Medien gefördert wird, weitreichende Auswirkungen auf die finanzielle Gesundheit von Familien hat. Um eine gerechte Aufteilung von finanziellen Verantwortlichkeiten zu gewährleisten, ist es unerlässlich, dass beide Partner aktiv am Finanzmanagement teilnehmen und gemeinsam Entscheidungen treffen. Nur so können langfristige finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit für alle Beteiligten gewährleistet werden.