Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) und die Arbeiterkammer (AK) haben kürzlich auf ein alarmierendes Problem hingewiesen: Immer weniger Unternehmen sind bereit, Lehrlinge auszubilden. Diese Entwicklung wurde besonders im vergangenen Jahr deutlich, als die Zahl der neu aufgenommenen Jugendlichen im ersten Lehrjahr einen historischen Tiefstand erreichte. Laut den Angaben der Gewerkschaften wurden im Jahr 2022 lediglich 27.546 Jugendliche in der Lehre aufgenommen.
Die Gründe für diesen Rückgang sind vielschichtig. Einerseits gibt es einen anhaltenden Fachkräftemangel in vielen Branchen, der möglicherweise dazu führt, dass Unternehmen weniger bereit sind, in die Ausbildung junger Menschen zu investieren. Viele Firmen sehen sich zudem mit finanziellen Herausforderungen konfrontiert, die durch steigende Kosten und wirtschaftliche Unsicherheiten bedingt sind. In diesem Zusammenhang wird oft argumentiert, dass das Risiko, Lehrlinge auszubilden, zu hoch und die zukünftige Rückkehr auf diese Investition unsicher erscheint.
ÖGB und AK betonen, dass die Ausbildung von Lehrlingen jedoch von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der heimischen Wirtschaft ist. Eine qualifizierte Ausbildung sichert nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, sondern trägt auch zur Vermeidung von Fachkräftemangel bei. Jeder ausgebildete Lehrling stellt eine Investition in die Zukunft dar, denn sie bringen frische Ideen und neue Perspektiven in die Unternehmen.
Die Gewerkschaften fordern daher von der Politik und den Unternehmen, gemeinsam Maßnahmen zu ergreifen, um die Lehrlingsausbildung zu fördern. Dazu gehört unter anderem die Schaffung attraktiverer Rahmenbedingungen für Unternehmen, um die Ausbildungsplätze zu erhöhen. Auch die Sensibilisierung junger Menschen für die Bedeutung einer dualen Ausbildung könnte einen positiven Einfluss auf die Anzahl der Lehrlinge haben.
Ein zusätzliches Problem ist die oftmals mangelnde Information und Unterstützung für Schüler und Schulabgänger bei der Wahl des richtigen Ausbildungsberufs. Viele Jugendliche sind sich der verschiedenen Möglichkeiten, die ihnen offenstehen, nicht bewusst oder fühlen sich von den Anforderungen überfordert. Hier sind sowohl Schulen als auch Unternehmen gefragt, um die Jugendlichen besser zu begleiten und individualisierte Beratung anzubieten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die sinkende Anzahl an Lehrlingen ein alarmierendes Signal für die österreichische Wirtschaft darstellt. Der ÖGB und die AK rufen alle Beteiligten auf, die Bedeutung der Berufsbildung ernst zu nehmen und passende Lösungen zu finden. Nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Politik, Schulen und Jugendlichen kann es gelingen, die Anzahl der Ausbildungsplätze zu steigern und somit den Fachkräftemangel in der Zukunft zu bekämpfen.