Die russische Invasion in der Ukraine, die am 24. Februar 2022 begann, hat das geopolitische Gleichgewicht in Europa erheblich erschüttert. Die anfänglichen Kriegsziele, die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin formuliert wurden, erscheinen mittlerweile in weiter Ferne. Statt einer schnellen und entscheidenden Niederlage der Ukraine hat der Konflikt zu immensen Verlusten auf beiden Seiten geführt, insbesondere in der russischen Armee.
Christian Hauenstein, Außenpolitik-Experte der „Krone“, zeichnet ein pessimistisch gefärbtes Bild von der Situation. Er weist darauf hin, dass die Bilanz von Präsident Putin durch die umfangreichen militärischen und menschlichen Verluste zunehmend bedrückend wird. Höhere Verlustzahlen als erwartet, sowohl unter den Soldaten als auch in der Zivilbevölkerung, haben die öffentliche Meinung in Russland beeinflusst. Hauenstein betont, dass dies zu einer wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung führt.
In Russland gibt es zunehmend Zweifel an Putins strategischen Entscheidungen. Viele Menschen fragen sich, ob die militärische Aggression gegen die Ukraine die richtigen Entscheidungen waren und ob die nationalen Interessen tatsächlich vorangetrieben wurden. Die wirtschaftlichen Sanktionen, die die westlichen Länder gegen Russland verhängt haben, verstärken die Probleme. Die Wirtschaft leidet unter den Folgen, und viele Bürger spüren die Auswirkungen direkt in ihrem Alltag.
Auf politischer Ebene ist der Raum für legitime Kritik in Russland stark eingeschränkt. Die staatlich kontrollierten Medien berichten überwiegend positiv über den Krieg und die militärischen Fortschritte, was dazu führt, dass die wahren Zustände an der Front und die hohen Verluste nicht ausreichend reflektiert werden. Dennoch gibt es zunehmend Anzeichen von internen Spannungen und Widerstand, auch wenn diese nicht immer öffentlich zur Sprache kommen.
Hauenstein schlussfolgert, dass die psychologische Wirkung des Krieges nicht zu unterschätzen ist. Die Verluste und der Zustand des Krieges haben das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung beeinträchtigt. Um den Rückhalt der Bürger zu erneuern, müsste die russische Führung die Realität des Krieges anerkennen und möglicherweise ihre Strategie überdenken.
Insgesamt bleibt die Situation angespannt, und die Aussicht auf Frieden scheint in dieser verfahrenen Lage unerreichbar. Die zukünftige Entwicklung wird nicht nur von militärischen Entscheidungen abhängen, sondern auch von der Fähigkeit der russischen Führung, die Bevölkerung hinter sich zu versammeln, während der Krieg in der Ukraine weiterhin andauert.