Der ehemalige NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat in einem Interview mit der „Krone“ vor einer neuen Weltordnung gewarnt. Er betont, dass Europa sich nicht länger zu hundert Prozent auf die USA verlassen könne und stattdessen sicherheitspolitisch eigenständiger werden müsse. Rasmussen sieht eine dringende Notwendigkeit, dass europäische Nationen ihre Verteidigungsfähigkeiten ausbauen und eine tiefere Zusammenarbeit zur Gewährleistung ihrer Sicherheit anstreben.
Ein zentrales Anliegen von Rasmussen ist die Schaffung einer neuen Allianz demokratischer Staaten, die er als „D7“ bezeichnet. Diese Allianz könnte Länder zusammenbringen, die ähnliche Werte teilen und bereit sind, sich gemeinsam für demokratische Prinzipien einzusetzen. Rasmussen glaubt, dass eine solche Gruppe nicht nur den politischen Einfluss dieser Länder stärken würde, sondern auch ein Gegengewicht zu autoritären Regimen schaffen könnte, insbesondere in Bezug auf das herausfordernde Verhalten Russlands.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, den Rasmussen anspricht, ist die Zukunft der österreichischen Neutralität. Er äußert die Meinung, dass die Neutralität in der heutigen geopolitischen Landschaft neu bewertet werden müsse. Österreich könnte, so Rasmussen, eine aktivere Rolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur übernehmen, anstatt sich auf eine isolierte Position zurückzuziehen. In Zeiten wachsenden Drucks von außen sei es für Österreich entscheidend, zu überlegen, wie es sich besser in einen kollektiven Sicherheitsrahmen integrieren kann.
Rasmussen hebt auch die Versäumnisse des Westens im Umgang mit Russland hervor. Er kritisiert, dass der Westen in der Vergangenheit oft zu zögerlich reagiert hat und nicht deutlich genug gegen aggressive Maßnahmen Russlands aufgetreten ist. Diese Naivität, so Rasmussen, könnte zu einer weiteren Eskalation führen, wenn nicht schnell und entschieden gegengesteuert wird. Daher plädiert er für ein starkes und vereintes Europa, das in der Lage ist, auf Bedrohungen wirksam zu reagieren.
Zusammenfassend fordert Rasmussen eine grundlegende Neubewertung der sicherheitspolitischen Strategien in Europa. Er sieht die dringende Notwendigkeit, dass europäische Staaten aufrüsten und sich besser organisieren, um den Herausforderungen der modernen Welt gewachsen zu sein. In einem sich verändernden geopolitischen Umfeld ist es von entscheidender Bedeutung, dass Europa seine eigenen Interessen und Sicherheitsbedürfnisse proaktiv verfolgt, anstatt sich ausschließlich auf externe Mächte zu verlassen. Nur so könne der Frieden und die Stabilität auf dem Kontinent langfristig gesichert werden.