Die Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat die Bürgermeisterwahl in der wichtigen Metropole Istanbul nach vorläufigen inoffiziellen Ergebnissen verloren.
Bei den Kommunalwahlen in der Türkei hat Erdogans Partei eine herbe Niederlage einstecken müssen. Landesweit erlitt die islamisch-konservative AKP laut vorläufigen Ergebnissen starke Verluste.„Wendepunkt, nicht Ende“Erdogan räumte den historischen Sieg der Opposition ein. „Wir haben nicht das Ergebnis erzielt, das wir uns gewünscht und erhofft haben“, sagte er am späten Sonntagabend in Ankara. Er werde „die Entscheidung der Nation respektieren“, man werde nun Selbstkritik üben und Mängel beheben, erklärte er vor seinen – ungewöhnlich stillen – Anhängern. Dies sei aber nicht das Ende, sondern ein Wendepunkt.In den fünf größten Städten konnte sich die größte Oppositionspartei CHP bei den Bürgermeisterwahlen durchsetzen – besonders deutlich in der Hauptstadt Ankara und in der politisch wichtigen Metropole Istanbul.61 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufenNach Auszählung von fast 98 Prozent der Wahlurnen im Land erlitt die islamisch-konservative AKP ihr schlimmstes Wahldebakel seit zwei Jahrzehnten. Die Mitte-Links-Partei CHP wurde laut vorläufigen Zahlen mit 37,6 Prozent landesweit stärkste Kraft, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu nach mehr als 98 Prozent ausgezählter Stimmen. Die AKP kam auf 35,7 Prozent. Sollte sich das Ergebnis offiziell bestätigen, wäre die AKP erstmals seit ihrer Gründung 2002 in einer Kommunalwahl nur zweitstärkste Kraft. Mit der Bekanntgabe der endgültigen Ergebnisse wird im Laufe des Montags gerechnet. Ungefähr 61 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen. Wahl von tödlichen Auseinandersetzungen überschattetIm Südosten des Landes überschatteten tödliche Zwischenfälle die Kommunalwahlen. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen wurden zwei Menschen getötet. Mindestens 15 weitere Personen wurden verletzt, unter anderem in der Kurdenmetropole Diyarbakir. Die Beteiligten sollen mit Schusswaffen, Steinen und Stöcken aufeinander losgegangen sein.Junge wollen Land verlassenDie landesweite Wahl wurde unter schwierigen Vorzeichen durchgeführt. Viele Menschen haben aufgrund der hohen Inflation mit steigenden Preisen für Lebensmittel und explodierenden Mieten zu kämpfen. Viele junge Menschen wollen einer Umfrage nach bereits am liebsten das Land verlassen. Die Opposition, die bei der Parlaments- und Präsidentschaftswahl 2023 noch im Bündnis antrat, gilt als zerstritten und tritt nicht mehr geschlossen an.